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ERP-Konsolidierung, IT-Innovation und SOA (war: Entferntes R/3 mittels PHP-Erweiterung SAPRFC verwenden)

daemon@ATHENA.MIT.EDU (Christian Zalto)
Sun Jul 29 09:49:21 2007

To: sapr3-news@mit.edu
Date: Sun, 29 Jul 2007 15:48:33 +0200
From: "Christian Zalto" <zalto@t-online.de>
Message-ID: <f8i5r1$r0o$00$1@news.t-online.com>

"Tobias Topyla" schrieb:
> On 28 Jul., 13:46, "Christian Zalto" <za...@t-online.de> wrote:
>> Seitdem durch den SOA-Hype das vormals ungeliebte, da
>> wartungs- und somit kostenintensive Thema "Schnittstelle"
>> zum Architekturprinzip erhoben wurde, ist die alte ERP-Vision
>> "alle Daten in einem System" doch sowieso ausgeträumt.
>
> Im Moment beobachte ich eher gegensätzliche Ansätze im SAP-
> Umfeld der Fortune 500 Unternehmen wie die Konsolidierung
> von Systemen aufgrund der gesunkenen Kosten für Breitband-
> anschlüsse und Hardware.

Das Konsolidieren mehrerer ERP-Systeme, die in etwa alle
dieselbe Funktionalität abdecken, ist das eine. Dabei ist das
Einsparen von Kosten der Antrieb zum Handeln.

Das Ausweiten der mit ERP-Systemen abgedeckten Funktionalität
ist etwas anderes - das wäre dann wirklich innovationsgetrieben
und könnte einen Wettbewerbsvorteil bringen.

Und da sehe ich nicht, dass "ERP" mit "innovativ" assoziiert würde.
Die Neuerungen, etwa in Richtung Web 2.0 und Social Computing,
finden außerhalb statt. Der Brückenschlag von der harten, trans-
aktionalen IT zu der weicheren, kollaborativen IT (Groupware)
bis hinunter zum "Personal Information Management" (Mail,
Kalender, Kontakte, Aufgaben) findet, wenn er überhaupt als
erforderlich wahrgenommen wird, außerhalb der ERP-Systeme statt.

Vielleicht liegt's am System-Design, mir kommt das klassische R/3
jedenfalls vor, als sei es von Autisten entworfen: Jeder hackt da für
sich seine Daten ein - ein Ad-hoc Abstimmen/Zusammenarbeiten/
Rückfragen ist nicht vorgesehen. Der "Beleg" steht im Mittelpunkt,
nicht der Mensch.

> Ich halt es nicht für sinnvoll die zentrale Datenhaltung zu
> zerpflücken und auf eigenständige Systeme zu verteilen - dies
> würde aus meiner Sicht einen gewaltigen Rückschritt bedeuten
> und die von Dir ohnehin angesprochenen horrenden Entwicklungs-
> kosten weiter steigen lassen.

Das hört sich bei den SOA-Propheten immer ganz anders an:
Da ist es dann nahezu gleichgültig, wo die Daten liegen und wo
die Applikationslogik tatsächlich abläuft. Die Entwicklungskosten
werden gesenkt, indem man sich den Entwickler spart und die
Komponenten "flexibel orchestriert".
Vor einem Jahr hatte doch eine Analyse von AMR Research für
Wirbel gesorgt, in der sogar der SOA-Tod des ERP-Marktes
für 2010 vorhergesagt wurde.

>> und "politische" Gründe
>> ('das ist unser System, da habt ihr nichts zu entwickeln').
> Hier stimme ich Dir voll und ganz zu, jedoch dürfte da ein RFC-
> User mit passenden Berechtigungen von so einer Basis ebenfalls
> schwer zu bekommen sein - oder meinst Du mit politischen
> Gründen eher einige Ebenen höher angesiedelte Entscheidungs-
> träger die an der Realität vorbei entscheiden?

Im Einzelfall ist es schwer zu sagen, was einen Entscheider so
alles treibt: Bestenfalls "Risikominimierung", öfters wohl
"Kirchturmdenken".

Beispiel HR: Da gilt der Job als gut gemacht, wenn das System
sicher wie Fort Knox ist und keine Informationen raus gehen.
Im Gegensatz zur sonstigen ERP-Argumentation tut man sich
ja hier sogar in der Regel an, ein weiteres System zu betreiben.

So weit, so nachvollziehbar, nur bräuchte man eigentlich die
Aufbauorganisation aus dem HR und die Ablauforganisation im
ERP im selben System, um die Potentiale überhaupt zu nutzen.
Das zu ermöglichen und die Daten auch aktuell vorzuhalten, ist
eigentlich naheliegendste der Welt, wenn man überhaupt in
Organisationen denkt und müsste eigentlich eine Kernaufgabe
der HR-Verantwortlichen sein - wird aber kaum so wahrgenommen.

-- 
Christian Zalto 



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